Wovon ich rede, wenn ich vom Reisen rede.

Nadelöhr ins Paradies.

mit 12 Kommentaren

Liebes Reisetagebuch,

Der Ortskern von Muerzsteg ist von drei Bergruppen eingekesselt. Im Sueden die Kreuzmauer, im Nordosten die Auslaeufer der Lachalpe und im Nordwesten das Hocheck. Jetzt ist die Kreuzmauer der Hausberg Muerzstegs, aber am Hocheck, ganz oben Richtung Frostldumpf, da gibt es Hoehlen. Da waren wir als Kinder oefter oben. Die kennen nicht viele. Zwei Hoehlen mit jeweils zwei Enden, also fast Tunnel kann man sagen. Und der eine Tunnel ist also sehr klein. Da passen Kinder zwar rein, aber ich hab mich da ordentlich angeschissen, das weiss ich noch!
Und jetzt wirst du sagen, dass man das mit den Tunnels, wo ich jetzt gewesen bin, nicht vergleichen kann. Weil Krieg ist Krieg, und Muerzsteg wirkt ja eingenistet in den steirischen Bergen wie ein friedliches Vogelnest. Und im Vergleich wo ich jetzt schon ueberall gewesen bin, ist Muerzsteg eines der friedlichsten Vogelnester der Welt. Aber nicht zu schnell! Weil vor ein paar Jahren haben die in der Lanauwand Bohrloecher mit Sprengstoff gefunden. Vom ersten oder zweiten Weltkrieg. Jetzt musst du wissen, am Eingang von Muerzsteg, da kommen sich die Kreuzmauer und die Lanauwand so nahe, dass sich nur mehr der Bach und die Landesstrasse ausgeht. Quasi: Nadelöhr zum Paradies. Und wie sie den Sprengstoff gefunden haben, da war Muerzsteg zum zweiten Mal auf dem Titelblatt der Kleinen Zeitung. Und ich hab an die kleinen Hoehlen am Hocheck denken muessen, wie ich in die Tunnel von den Vietcong gekrochen bin, praktisch Kindheitstrauma.

Gegend in Kambodscha

Gegend in Kambodscha

Wir sind also dort gewesen, wo die Vietnamesen vor vierzig Jahren im Vietnamkrieg die Amerikaner vorgefuehrt haben. Und die Amerikaner musst du erst einmal vorfuehren. Weil die waren natuerlich zahlenmaessig und technologisch klar ueberlegen. Aber Krieg im Dschungel ist natuerlich wieder ganz eine andere Sache. Die Vietcong haben da ueber hunderte Kilometer ganz kleine Tunnel gegraben und alles unterirdisch gemacht. Und wenn sie gekocht haben, dann haben sie den Rauch natuerlich ganz wo anders rausgeleitet. Und mich wundert da gar nichts mehr, dass die Amerikaner keine Chance gehabt haben. Weil heute fuehren ehemalige Vietcongs und ihre Nachfahren ihre ehemaligen Feinde und andere Touristen durch diese Tunnels und eines kannst du mir glauben, ich hab auch in den extra fuer Touristen vergroesserten Tunnels meine Muehe gehabt, mich zu bewegen.
Und dann haben die Vietcong ueber 100 Kilometer lange Tunnels bis Saigon gegraben und haben dort die Amerikaner endgueltig heimgeschickt. 100 Kilometer! Das ist wie von Muerzsteg nach Wien. Und das eine sag ich dir, die Vietcong haetten den Semmeringbasistunnel fertig noch bevor unsere Politiker das erste Meeting einberufen haetten. Das sind Maenner der Tat, die Vietnamesen, und sehr praktisch denkend. Aus Autoreifen haben die sich Patschen fuer den Dschungel gemacht. Und dass die nicht viel fuer Gefuehle ueber haben, hab ich dann auch bei der Dschungelfuehrung bemerkt. Weil da zeigen sie dir die schlimmsten Fallen, also wirklich grauslich haben die ausgesehen, und dann sagen sie “Hier haben wir aus den Amis McDonalds gemacht, hehe ..” Ich hab nicht gewusst, ob ich jetzt lachen soll oder was.

Brahma, der hinduistische Schoepfergott

Brahma, der hinduistische Schoepfergott

Aber in Vietnam sind wir schon lange nicht mehr. Sind jetzt in Kambodscha. Bis dorthin haben die Vietcongs ihre Tunnels gebaut. Quasi: Notausgang. Aber Kambodscha wirklich super. Und da muss ich dem Erbs absolut Recht geben, es kommt ja oft auf den ersten Eindruck an. Und Kambodscha ist Spezialist bei guten ersten Eindruecken. Weil laessiges Guesthouse, interessante Bekanntschaften, gute Museen, viel Landschaft und weniger Touristen. Aber was du nicht vergessen darfst, dass sie hier sehr arm sind. Das aermste Land, wo ich jemals gewesen bin. Denn hier haben sich erst vor zehn Jahren die letzten ranghohen Mitglieder der Roten Khmer ergeben. Die sind in den 70er Jahren an die Macht gekommen und haben sich mehr durch besondere Grausamkeit als sonst was weltweit einen Namen gemacht. “Massensaeuberungen”! Dass man sich wieder einmal denkt, dass es sowas ueberhaupt geben kann.

Maedchen von einer Organisation fuer Waisenkinder

Dann waren wir auch noch in Spiderville. Dort essen sie wie verrueckt Spinnen. Aber nicht die kleinen, die geben nichts her. Taranteln werden hier herausgebraten. Jetzt bin ich ja bei exotischem Essen nie sehr experimentierfreudig gewesen. Und Taranteln essen, keine Chance. Also nein, nichts maennlicher Ehrgeiz, dass man sagt: Hier ein paar Taranteln essen, dort ein paar Schlangen kosten, das ist ein echter Mann.

Und wirkliche sehr nette Bekanntschaft haben wir mit ein paar alten Moenchen gemacht. Weil da waren wir ganz alleine in so einem Tempel und dann haben wir uns zu den alten Moenchen gesetzt. Und die waren so freundlich, die haben uns einfach von ihrem Tabak kosten lassen. Aber jetzt kannst du natuerlich so einen zusammengerollten kambodschanischen Tabak nicht mit einer europaeischen Filterzigarette vergleichen. Weil nach einem Zug, und wahrscheinlich hab ich auch irgendwas falsch gemacht, haette ich fast die ganze Pagode bis hinauf zum Smaragdbuddha vollgekotzt. Aber da haben sogar die alten Moenche ihren Spass gehabt. Ja, durch eigenes Unvermoegen seelische Blockaden anderer loesen, das kann nicht jeder, aber ich hab das schon seit Jahren heraussen.

Unsere Freunde, die alten Moenche

Unsere Freunde, die alten Moenche

Mit der Faehre ueber den Mekong, den 10.laengsten Fluss der Erde. Fuer Bruecken fehlt das Geld. Sie haben zwar eine Bambusbruecke, aber die muss jedes Jahr nach der Regenzeit wieder neu gebaut werden.

Mit der Faehre ueber den Mekong, den 10.laengsten Fluss der Erde. Fuer Bruecken fehlt das Geld. Sie haben zwar eine Bambusbruecke, aber die muss jedes Jahr nach der Regenzeit wieder neu gebaut werden.

Mit dem Radl auf Erkundungstour durch eine Insel im Mekong, wo die Dorfbewohner ganz abgeschlossen vom Rest der Welt leben, ohne Strom und alles.

Mit dem Radl auf Erkundungstour durch eine Insel im Mekong, wo die Dorfbewohner ganz abgeschlossen vom Rest der Welt leben, ohne Strom und alles.

Geschrieben von danuel

Januar 7, 2009 um 9:10 am

Veröffentlicht in 2009 01

12 Antworten

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  1. hallo danuel,
    sehr schöne beschreibung der topographischen situation in mürzsteg. ein wenig wird es noch dauern, aber dann wird paula auch die höhlen von mürzsteg kennenlernen.
    am ersten tag wieder im büro nach zweieinhalb wochen ist dein reisebericht die beste aufmunterung.
    weiterhin eine spannende reise
    mario

    mario

    Januar 7, 2009 um 11:48 am

  2. Da Danuel im fernen Südostasien und schreibt als wär er der Wolf Haas persönlich! Erzählt von wunderschönen Dingen und netten Leuten am anderen Ende der Welt.

    Dann krieg ich noch ein Mail von der Kathi die von ihrem Yogakurs in den Bergen von Indien und den Andamanen, einer Inselgruppe 1000km vor der Küste von Indien berichtet. Anscheinend das Paradies auf Erden höchstpersönlich.

    Und danach skype’ ich dann noch a bissl mit dem Bounty der mir vom herrlichen Essen und dem Wetter bei ihm in Brasilien erzählt.

    Und ich sitz’ bei traumhaftem Wetter (oben blau, unten weiß) ungefähr eine Minute Fußweg von unserer Gondelstation in Rauris entfernt im Büro und muss arbeiten. Ich zergeh gleich vor Sehnsucht…

    Habs noch fein, wo auch immer du noch hinkommst!

    anton

    Januar 7, 2009 um 1:30 pm

  3. schön schreibt er, der herr huber michael… wenn er mich anskyped soll er aber gfälligst ein bisl länger online bleiben dass ich ihn gleich zrückrufen kann, das Gfrast da drüben. muss mich dem antonson anschließen und auch meinen Neid hinunterschlucken. aber nächste woche bin ich skifahren.. ha! das hast du nicht! schnee, viel schnee in der Steiermark und a gscheits bodenständiges essn, nix mit spinnen und schlangen kosten…
    ois guade im neichn joah hob i jo a nunet gsogt!
    Derre!

    kommissar

    Januar 7, 2009 um 2:20 pm

  4. Jah Rasta

    Die Frage aller Fragen: Olles rodger in Kambodscha? – is jo aufglegt – apropos aufglegt: In da Stadthalle wor jetz wieda da “traditionelle” Bandenzauber, oba zaubert is leida ned so vü wordn – da anzige schneckerl der de leit im legenden-dörby nu zagt hot wos a echta dribblanski is (s´gibt anfoch kane guadn kicka mehr).
    De Austria is übrigens souverän im Spiel uman letzten plotz vom LASK auf ebendiesen verwiesen wordn – Rapid nur dritter (von 6) – Sensationsfinale: Vienna vs. Sportklub (es gibt nur 1 Wiener Dörby!!!!!)
    gwonnen hot schlussendlich die Vienna, i wor oba sehr stolz während des Finales einen “Ein-Mann-ADMIRA-WACKER-Sprechchor” zu hören – und die hoibe Halle hot mitglocht

    ois daunn, hawes

    berni

    Januar 7, 2009 um 3:15 pm

  5. seas!!!
    klingt ja volle super, was du da so erlebst!!!!
    bin gestern grad von ot zrückkommen, das übliche halt (party, party, party..:) nur in die römerbar hab ichs nicht gschafft.. aber das kommt spätestens im febr… und ohne di is halt doch nicht dasselbe…
    noch viel spaß!!!!
    bussale

    aja und des is noch die versprochene email adresse:
    vinicius.nascimento@infolink.com.br

    Dani

    Januar 7, 2009 um 5:40 pm

  6. Lieber Dani Lu!
    Es hat also noch jemand deinen Wolf Haas-Stil bemerkt.
    Ich amüsier mich immer köstlich.
    Silke ist zur Zeit internetmäßig nicht wirklich gut erreichbar.
    Ich hoffe euch gehts gut und freu mich schon über deinen nächsten Bericht.

    Mama (Dissauer)

    Januar 7, 2009 um 7:39 pm

  7. wos hast da Wolf Haas-Stil, des is holt original jah rastah style. schen dass du so spannende geschichten dazöhst, is immer guat zu wissen wos auf der wölt zum sehn gibt.
    auf jeden fall olles guade auf deina reise, und boid bist ja jetzt in thailand – da gibt’s sicha wos anderes zum essen ois fisch und spinnen

    jah rastah!

    Joppi

    Januar 7, 2009 um 7:52 pm

  8. klingt ja ziemlich cool das mit den mönchen. ich hoffe durch diese ausräucherung haben sie dich von allen sünden freigesprochen, aber da gibt es nicht viel bei dir…

    wir sind jetzt nach meiner konferenz, im hilton hotel direkt am strand vom mexikanischen golf, in miami angekommen. während ich noch einen parkplatz gesucht habe hat es ordentlich zu schütten begonnen. aber bei ungefähr 78 grad fahrenheit ist das nicht so schlimm. ganz im gegenteil, zu dem was ich gerade von wien gelesen habe, da sollen nämlich die temperaturen auf unter minus 11 grad celsius sinken und im rest von österreich sogar auf minus 24 grad celsius. na bravo.

    zuvor in den everglades sind wir nur ein paar yards entfernt an alligatoren vorbeigegangen. am anfang war ich mir nicht ganz sicher ob die auch wirklich echt sind, weil bewegen tun sie sich ja nicht viel. als sich aber einer nach fünf minuten doch aufgerafft hat und ins nahe wasser gegleiten ist, hab ich dann doch etwas mehr respekt gezeigt. zum glück haben wir vorher gut aufgepaßt und gelernt, dass alligatoren, wie auch krokodile, direkt nach vorne hin blind sind. auf diesem wege habe ich mich dann wieder zurückbewegt.

    in den nächsten zwei tagen werden wir noch auf den spuren von miami vice die stadt erkunden. dann werden wir wohl zuhause einen kälteschock erleiden.

    jr
    alux

    alux

    Januar 8, 2009 um 4:02 am

  9. aja, um dich auch neben fußball sportlich am laufenden zu halten:

    da wuff hat nach neun jahren endlich wieder einmal den sieg der vierschanzentournee nach österreich geholt.

    jr
    alux

    alux

    Januar 8, 2009 um 4:08 am

  10. Lieber Danuel!

    Wirklich gelungene Einleitung mit wunderbarem Bezug auf unseren wunderschönen Heimatort!
    Auch diesmal wieder ein Gedicht in Dein Reisetagebuch:

    Was die Erde mir geliehen,
    Fordert sie schon jetzt zurück.
    Naht sich, mir vom Leib zu ziehen
    Sanft entwindend Stück für Stück.
    Um so mehr, als ich gelitten,
    Um so schöner ward die Welt.
    Seltsam, dass, was ich erstritten,
    Sachte aus der Hand mir fällt.
    Um so leichter, als ich werde,
    Um so schwerer trag’ ich mich.
    Kannst du mich, du feuchte Erde,
    Nicht entbehren? frag’ ich dich.
    “Nein, ich kann dich nicht entbehren,
    Muss aus dir ein’ andern bauen,
    Muss aus dir ein’ andern nähren,
    Soll sich auch die Welt anschauen.
    Doch getröste dich in Ruh’.
    Auch der andre, der bist du.”

    nik

    Januar 9, 2009 um 4:23 pm

  11. Hi Steirer Bua!

    Sind ja wirklich super Reiseberichte, die du da schreibst, ich amüsiere mich köstlich!
    Noch angenehme Zeit und bis bald!
    Und auch Grüße von den Kollegen aus der Bude!

    Robert

    Roberto

    Januar 10, 2009 um 2:03 pm

  12. Lieber Danuel,
    vielen Dank für Deine allerliebste Karte. Den Huldigungen der Vorredener bezüglich Deiner Reiseberichte kann ich mich nur vollinhaltlich anschließen. Weil Du die Möglichkeit einer Vietnamesischen Frauenfußballmission ins Auge faßt: unsere Damen sind scheinbar doch wieder auf den Geschmack gekommen. Sie geben zumindestens zahlreiche (schriftliche!) Grundsatzerklärungen ab. Es ist eben wie bei James Bond: Sag niemals nie!

    Im Namen der arachnophilen Gemeinde bedanke ich mich und wünsche auch weiterhin das Allerbeste,

    Wolfgang

    wolfgang

    Januar 11, 2009 um 2:43 pm


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