Wovon ich rede, wenn ich vom Reisen rede.

Ich saß am Randstein vorm McDonalds und weinte.

mit 19 Kommentaren

Liebes Reisetagebuch,

Ich hab einen Traum gehabt. Von einer Welt, in der weisse und scharze Socken zusammengewaschen werden. Nein, das war nur ein Spass. Aber hoer dir das an, meinen Traum, weil in den Traeumen verarbeitest du deine Erlebnisse. Und ohne Traeume wirst du heute sowieso verrueckt. Und Traeume ja immer ein bisschen Traum, und ein bisschen Realitaet.

Ich saß am Randstein vorm McDonalds und weinte. Aber es waren nicht der Burger und die Pommes, die mich ruehrten. Auch nicht der McDonalds. Weil eigentlich wollte ich kein Fast Food. Aber ich wollte was anderes als Reis mit Gemuese oder Huhn. Und da ist mir der alte Stoakogler-Klassiker eingefallen: Schweinskaree – Dreitulie! A SCHWEINSBRATL UND A KNOEDL MIT AN STOECKLKRAUT, UND AN RADI, DAMIT SI DES LEICHTER VERDAUT. A LEBERKNOEDELSUPPN UND A SCHWEINSKARREE, DES IS, AUF WOS I STEH, DREITULIE – wasst as eh! Jetzt gibts beim McDonalds zwar kein Schweinskarree, aber auch ok.

Der Surferstrand von San Juan

Der Surferstrand von San Juan.

Ich sass am Randstein vorm McDonalds und weinte. Und es war aus Freude, dass ich weinte. Weil ich so schoene Erlebnisse hatte. Und da siehst du wieder, wie viele Sachen du am Strand machen kannst. Weil zuerst war ich mit meinem Freund Kelly Slater surfen. Wir haben uns die gleiche Welle geteilt, und unterm Ride sind wir auf des anderen Brett gesprungen und wieder zurueck und haben Saltos gemacht und haben ganz coole Sachen in der Surfersprache gesagt. Und der Kelly war sehr zufrieden mit meinem ersten Surfversuch. Und wie ich mit dem Surfbrett unterm Arm aus dem Wasser geh und seh wie Mitch und Hobie gerade ihren Vater-Sohn-Strandspaziergang machen, schwemmt es mir eine Flasche vor die Fuesse. Mit einer Nachricht drinnen. Drauf steht: Wenn du das liest, bist du mein Traummann. Ich warte auf dich. In Beverly Hills 90210. In Liebe, Sandra Bullock.

So sieht hier ein oeffentliches Verkehrsmittel aus. Alle anders, und viel bunt.

So sieht hier ein oeffentliches Verkehrsmittel aus. Alle anders, und viel bunt.

Und weil die Liebe alles gleich viel schoener macht, hab ich mir gedacht, nutzt du die Zeit, und bin mit dem Bus ins philippinische Hinterland gefahren. Der Bus ist Kehre fuer Kehre die dicht bewachsenen Dschungelhuegel hinaufgeklettert und hat mich ganz oben in einer Stadt abgesetzt, wie ich sie noch nie gesehen hab. Also groesser als Graz und auf mehrere Berge verteilt. Dass du dir denkst, wenn du heute ein Student bist, und einmal was erleben willst, dann machst du hier ein Auslandssemester. Und weil Urlaub ist, hab ich mir gedacht, goennst du dir ein Bier. Und dann haben auf einmal ein paar Filipinos Gitarren und Schlagzeug geschnappt und Bob Marley gespielt.

Und jetzt ist es so, dass angekuendigte Revolutionen nicht stattfinden, aber wie die Filipinos “Red, red wine” gespielt haben und ich gerade den Hansl von meinem Bier austrinken und schlafen gehen wollte, kommen zwei Jungs zu mir her und, wie soll ich sagen, die waren mir von Anfang an sympathisch. Der Eine war Amir aus Aegypten, der Andere Romeo aus Saudi Arabien. Und dann sind der Amir, der Romeo und ich durch die Nacht gezogen. Und die zwei waren jetzt keine Oelscheichs, aber aus irgendeinem Grund hab ich die ganze Nacht nichts zahlen muessen. Und wir haben die Sonne gekuesst und den Regenbogen geschmeckt und uns feiern lassen wie Rockstars.

Die Maedels haben ganz spontan eine kleine Show fuer uns gemacht.

Die Maedels haben ganz spontan eine kleine Show fuer uns gemacht.

Sehr spaet, es muss die Zeit gewesen sein, wo sich Nacht und Tag die Hand geben, bin ich nach Hause und hab mich kurz ausgeruht. Und dann bin ich noch tiefer in die philippinischen Berge vorgedrungen. Aber ich hab nicht den Bus genommen, sondern bin mit meinen Ohren geflogen. Weil lange Busfahrten koennen sehr anstrengend sein. Und auf dem Weg hab ich Dumbo getroffen, und Jason Webly, das Akkordionmonster. Nach kurzem Smalltalk hab ich mich aber von ihnen getrennt, weil manchmal willst du einfach lieber alleine sein. Kennst du das? Auf jeden Fall sind die Berge immer hoeher geworden, die Leute immer weniger und die Natur immer mehr. Und dann bin ich weiter geflogen, in die Gegend, wo die Leute von beeindruckenden Reisterassen erzaehlen. Und wie ich dort angekommen bin, war alles voller Nebel. Ausserdem hat es die ganze Zeit geregnet, aber nicht Salzburger Schnuerlregen, das kannst du nicht vergleichen. Sondern die ganze Zeit, manchmal mehr manchmal weniger, als ob sich der Reis das Wasser vom Himmel herunterholen wollte. Aber das hat mich gar nicht gestoert, weil ich hab meine Laufschuhe angezogen und bin mit Alice im Wunderland die Reisterassen auf und ab gerannt. Und das alles war so neu und schoen, dass ich es gar nicht glauben konnte.

Und dann saß ich am Randstein vorm McDonalds und weinte. Und dann bin ich aufgewacht. Patschnass. Schweissgebadet vom Traum oder vom Weinen oder vom Surfen oder den feuchten Reisterassen.

Die Studentenstadt Baguio in den philippinischen Bergen. 1500 Meter ueber See, 300.000 Einwohner

Die Studentenstadt Baguio in den philippinischen Bergen. 1500 Meter ueber See, 300.000 Einwohner.

Klein, aber schon ein cooler Hund.

Klein, aber schon ein cooler Hund.

Da laeuft sie, die kleine Alice im Wunderland.

Da laeuft sie, die kleine Alice im Wunderland.

Die Reisterassen von Batad.

Die Reisterassen von Batad. Perspektive 1.

Die Reisterassen von Batad. Perpektive 2.

Die Reisterassen von Batad. Perpektive 2.

Geschrieben von danuel

Januar 26, 2009 um 2:01 pm

Veröffentlicht in 2009 01

19 Antworten

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  1. host vorher zufällig wos mit schwammal gessn?

    berni

    Januar 26, 2009 um 2:48 pm

  2. hawi…jetzt was i wie du deis mit deine gschichten mochst!

    Hiermit stell ich die allgemein gültige jah rasta danuel bruderherz formel auf:

    (asiatischer rum + weed) * dünne luft = danuel.wordpress.com

    der aufklärer

    Januar 26, 2009 um 4:42 pm

  3. Mein treuer Freund!

    Gestärkt von der Kraft Deiner wohlweislich abstrakt gewählten und doch greifbar realen Zeilen, an dieser Stelle zwei Zitate anstatt eines Gedichtes Dir in Dein Reisetagebuch. Das erste ist von mir, das zweite von einem viel weiseren Menschen, der zwar schon lange nicht mehr auf unserer Welt ist, mir, aber wie ich denke uns allen, wohl immer viel zu geben vermögen wird. Ich gratuliere Dir, ja diesmal verneige ich mich!

    Auch wenn der Rationale gewinnt und es scheinbar auch zu genießen vermag, der glücklichere bleibt oftmals der Emotionelle.

    Unser Ziel sei der Friede des Herzens.

    Nik

    Januar 26, 2009 um 7:59 pm

  4. Ein schöner Traum. Wahrlich schön. Sowas geht, so glaub ich, nur fern ab der rezessierenden, konsumgeilen und überhaupt schlechten Gesellschaft. Pfui diese Gesellschaft – bis auf unsere Skispringer. die zreissn grod wieder mal alles aber das wird dir nehm ich an im Moment herzlich wuascht sein.
    Gfrei mi scho wieda auf a gemeinsomes bia, owa des dauert nu a randl*
    *)Randl – umgangssprachlich für “eine gewisse doch längere aber nicht so genau bestimmte Zeit, aber doch auch nicht zu lange”

    kommissar

    Januar 26, 2009 um 9:23 pm

  5. Des mit die Socken am Anfang find i goa net so blöd. I träum ja von einer Welt in der ma weiße Leiberl, Tennissocken und grüne “Kohlbacher-Badeteich”-Werbegeschenkshandtücher zusammen waschen kann. Aber weils die scheinbar no net gibt, geh i halt jetzt mit an mintgrünen gwandl lafn!

    Leisti

    Januar 27, 2009 um 11:57 am

  6. jah rasta,

    1. nix schwammerl, nix rum. im gerstensaft steckt die wahre kraft.
    2. abermals danke nik fuer die trefflich gewaehlten zitate.
    3. jo, es dauert leider no a randl, kommissar.
    4. kohlbacher-mintgruen steht dir hervorragend, leisti.

    danuel

    Januar 28, 2009 um 2:52 am

  7. @ leist:
    Und wo? i könnt ja mal mit am Fotoapparat vorbeikommen. Es gibt sicher einige Leute an deim Institut die Unsummen für so a Foto zahlen würden. Damit hätt’ i zumindest scho den Einstieg in a zweites berufliches Standbein als Paparazzo gschafft.

    rucki

    Januar 28, 2009 um 12:51 pm

  8. na danuel… wenn ich nicht wuesste was du grad fuer ein buch liest (ausser den hr. platon) ;) …

    ich wuerd mal sagen… genuine story!

    cu in sydney =)

    theresa

    Januar 28, 2009 um 2:53 pm

  9. lieber Daniel,um noch einmal auf das Sockenwaschen zurückzukommen,du und Leisti seid auf dem besten Weg euch bei den “Großen” dieser Erde einzureihen, auch Barack Obama bringt seine dreckigen Socken selbst zur Wäsche(Oder wars der Müll, den er raus bringt? Naja so genau wolln wirs auch nicht nehmen.)
    Mr.President,Leisti und du beim Joggen mit verwaschenen Socken.
    Da könnte aus Ruckis Paparazzolaufbahn dann wirklch noch was werden.
    Ob wir so wohl noch mehr Männer davon überzeugen können ihre Wäsche selbst zu waschen?
    Freu mich auf jeden Fall schon wenn ich deine dreckigen Socken samt Inhalt wieder zu Gesicht bekomme, noch lieber würde ich sie mir vor Ort ansehen.sofern du drinsteckst. Geht leider nicht.
    Liebe Grüße,Gabi

    Mutter

    Januar 28, 2009 um 8:00 pm

  10. daniel könntest du deinen blog bitte einfacher gestalten. die mama hot nämlich scho insgesmant 5 texte gschriem, “comments” hoit. sie hots nur no nie zaumbraucht, die taste “Submit Comment” zu betätigen!schließlich hat sie es doch gschafft! wahnsinn… bin direkt begeistert -.-

    ist dir wirklich gut gelungen, mama. i glaub is hohe literarische niveau liegt in der familie!

    der aufklärer

    Januar 28, 2009 um 8:12 pm

  11. Ach übrigens, schöne Fotos von den Reisterrassen von Batad. I hab’ jetzt grad a Geo-Seminar über den Naturraum China gmacht und deswegen jetzt scho einige solche Fotos gesehen und muß sagen, es scho ziemlich faszinierend auf was für an engen Raum und mit welchen Mitteln in Südostasien und China der Reisanbau betrieben wird. Deswegen eigentlich schade dass’d net nach China kommen bist, weil da hättest ma für mein Seminarreferat über die chinesischen Haus- und Hofformen a paar schöne Bildn knipsn können. Und dann hätt’ i aufgetrumpft und gsagt: “Ja I hab weder Kosten noch Mühen gescheut und extra einen Fotografen nach China geschickt”. Von wegen der Authentizität und so…

    Anonymous

    Januar 29, 2009 um 3:40 pm

  12. Mit “Anonym” bin natürlich Ich gemeint. Ach, immer diese neue Technik. (Modernes Teufelszeug!)

    rucki

    Januar 29, 2009 um 3:53 pm

  13. @Rucki:
    Do hätt da Eicher owa a freit kobt!
    I hob heut erst Chin Prüfung gemacht. Wirklich inteessant, die Landschaft (jedenfalls bevor alles durch den 3 Schluchten Damm überschwemmt wird)

    Stefan

    Januar 29, 2009 um 8:52 pm

  14. Da Eicher steht übrigens sehr auf Fotos. Glei a guter Tipp wennst no irgendwann amoi a Präsentation bei ihm halten sollst. Aber er war eh mit fotos aus zweiter Hand a ganz zufrieden. Und des is ja wohl die hauptsach!
    Na im Ernst: I glaub’ i muss jetzt demnächst wirklich mal nach China. Seit dem Semninar is des scho a großen Stück auf meiner “to- do- List” nach oben gerutscht (ein physikalische allerdings unmöglicher vorgang oder? das “nach oben rutschen”. Sagt ma aber trotzdem so, glaub i.)
    Egal, hab’ übrigens eh a glei auf gut glück die china-prüfung gmacht, ohne jemals in der vo gewesen zu sein. Gott sei Dank hat er “nur” 4 oder 5 Fragen von den Videos gegeben…

    Rucki

    Januar 30, 2009 um 11:23 am

  15. ah jo, zum 3-Schluchten Damm: Des is zwar jetzt a scho sehr fragwürdig mit den Umsiedelungen und dem Verlust von den ganzen “Kulturdenkmälern”, die anders als bei Abu-Simbel diesmal net gerettet werden, owa alles nix im Vergleich dazu wenn des Ding mal bersten sollte oder gesprengt werden müsste. Dann wär nämlich da toifl los und da eicher hätt’ wieder a highlight in seiner naturkatastrophen- vo (sehr bös’ gsagt)…

    Rucki

    Januar 30, 2009 um 11:30 am

  16. Bin i do jetzt in da Geo-Studenten-Info-Lounge ? (I füh mi jo schon vom Dani seine Texte intellektuell überfordert und jetzt a no Sachunterricht…) ;-)

    Leisti

    Januar 30, 2009 um 12:36 pm

  17. bravo mama!

    weiter so!

    danuel

    Januar 31, 2009 um 7:31 am

  18. Hi Danuel!
    Die Schischule Koch Taschen Kollektion is snsationell.
    Am besten du schicks so an die 1000 Stück direkt in die Schischule!!
    @Rucki: Naja, falls der Damm bicht, würd das eher zu “Man made Hazards” passen!
    @Leisti: Die Texte überfordern mich natürlich auch. Aus diesem Grund schreib ich lieber über Sachen, bei denen ich mich auskenne (bzw. auskennen sollte)!!;-)

    Stefan

    Februar 2, 2009 um 2:51 pm

  19. SKI-WM (Fast)Live-Ticker:

    Super-G Damen, Endstand:
    1. Lindsey Vonn
    2. Marie Marchand-Arvier
    3. Andrea Fischbacher !!!

    Leisti

    Februar 3, 2009 um 1:34 pm


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