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Nadelöhr ins Paradies.

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Liebes Reisetagebuch,

Der Ortskern von Muerzsteg ist von drei Bergruppen eingekesselt. Im Sueden die Kreuzmauer, im Nordosten die Auslaeufer der Lachalpe und im Nordwesten das Hocheck. Jetzt ist die Kreuzmauer der Hausberg Muerzstegs, aber am Hocheck, ganz oben Richtung Frostldumpf, da gibt es Hoehlen. Da waren wir als Kinder oefter oben. Die kennen nicht viele. Zwei Hoehlen mit jeweils zwei Enden, also fast Tunnel kann man sagen. Und der eine Tunnel ist also sehr klein. Da passen Kinder zwar rein, aber ich hab mich da ordentlich angeschissen, das weiss ich noch!
Und jetzt wirst du sagen, dass man das mit den Tunnels, wo ich jetzt gewesen bin, nicht vergleichen kann. Weil Krieg ist Krieg, und Muerzsteg wirkt ja eingenistet in den steirischen Bergen wie ein friedliches Vogelnest. Und im Vergleich wo ich jetzt schon ueberall gewesen bin, ist Muerzsteg eines der friedlichsten Vogelnester der Welt. Aber nicht zu schnell! Weil vor ein paar Jahren haben die in der Lanauwand Bohrloecher mit Sprengstoff gefunden. Vom ersten oder zweiten Weltkrieg. Jetzt musst du wissen, am Eingang von Muerzsteg, da kommen sich die Kreuzmauer und die Lanauwand so nahe, dass sich nur mehr der Bach und die Landesstrasse ausgeht. Quasi: Nadelöhr zum Paradies. Und wie sie den Sprengstoff gefunden haben, da war Muerzsteg zum zweiten Mal auf dem Titelblatt der Kleinen Zeitung. Und ich hab an die kleinen Hoehlen am Hocheck denken muessen, wie ich in die Tunnel von den Vietcong gekrochen bin, praktisch Kindheitstrauma.

Gegend in Kambodscha

Gegend in Kambodscha

Wir sind also dort gewesen, wo die Vietnamesen vor vierzig Jahren im Vietnamkrieg die Amerikaner vorgefuehrt haben. Und die Amerikaner musst du erst einmal vorfuehren. Weil die waren natuerlich zahlenmaessig und technologisch klar ueberlegen. Aber Krieg im Dschungel ist natuerlich wieder ganz eine andere Sache. Die Vietcong haben da ueber hunderte Kilometer ganz kleine Tunnel gegraben und alles unterirdisch gemacht. Und wenn sie gekocht haben, dann haben sie den Rauch natuerlich ganz wo anders rausgeleitet. Und mich wundert da gar nichts mehr, dass die Amerikaner keine Chance gehabt haben. Weil heute fuehren ehemalige Vietcongs und ihre Nachfahren ihre ehemaligen Feinde und andere Touristen durch diese Tunnels und eines kannst du mir glauben, ich hab auch in den extra fuer Touristen vergroesserten Tunnels meine Muehe gehabt, mich zu bewegen.
Und dann haben die Vietcong ueber 100 Kilometer lange Tunnels bis Saigon gegraben und haben dort die Amerikaner endgueltig heimgeschickt. 100 Kilometer! Das ist wie von Muerzsteg nach Wien. Und das eine sag ich dir, die Vietcong haetten den Semmeringbasistunnel fertig noch bevor unsere Politiker das erste Meeting einberufen haetten. Das sind Maenner der Tat, die Vietnamesen, und sehr praktisch denkend. Aus Autoreifen haben die sich Patschen fuer den Dschungel gemacht. Und dass die nicht viel fuer Gefuehle ueber haben, hab ich dann auch bei der Dschungelfuehrung bemerkt. Weil da zeigen sie dir die schlimmsten Fallen, also wirklich grauslich haben die ausgesehen, und dann sagen sie „Hier haben wir aus den Amis McDonalds gemacht, hehe ..“ Ich hab nicht gewusst, ob ich jetzt lachen soll oder was.

Brahma, der hinduistische Schoepfergott

Brahma, der hinduistische Schoepfergott

Aber in Vietnam sind wir schon lange nicht mehr. Sind jetzt in Kambodscha. Bis dorthin haben die Vietcongs ihre Tunnels gebaut. Quasi: Notausgang. Aber Kambodscha wirklich super. Und da muss ich dem Erbs absolut Recht geben, es kommt ja oft auf den ersten Eindruck an. Und Kambodscha ist Spezialist bei guten ersten Eindruecken. Weil laessiges Guesthouse, interessante Bekanntschaften, gute Museen, viel Landschaft und weniger Touristen. Aber was du nicht vergessen darfst, dass sie hier sehr arm sind. Das aermste Land, wo ich jemals gewesen bin. Denn hier haben sich erst vor zehn Jahren die letzten ranghohen Mitglieder der Roten Khmer ergeben. Die sind in den 70er Jahren an die Macht gekommen und haben sich mehr durch besondere Grausamkeit als sonst was weltweit einen Namen gemacht. „Massensaeuberungen“! Dass man sich wieder einmal denkt, dass es sowas ueberhaupt geben kann.

Maedchen von einer Organisation fuer Waisenkinder

Dann waren wir auch noch in Spiderville. Dort essen sie wie verrueckt Spinnen. Aber nicht die kleinen, die geben nichts her. Taranteln werden hier herausgebraten. Jetzt bin ich ja bei exotischem Essen nie sehr experimentierfreudig gewesen. Und Taranteln essen, keine Chance. Also nein, nichts maennlicher Ehrgeiz, dass man sagt: Hier ein paar Taranteln essen, dort ein paar Schlangen kosten, das ist ein echter Mann.

Und wirkliche sehr nette Bekanntschaft haben wir mit ein paar alten Moenchen gemacht. Weil da waren wir ganz alleine in so einem Tempel und dann haben wir uns zu den alten Moenchen gesetzt. Und die waren so freundlich, die haben uns einfach von ihrem Tabak kosten lassen. Aber jetzt kannst du natuerlich so einen zusammengerollten kambodschanischen Tabak nicht mit einer europaeischen Filterzigarette vergleichen. Weil nach einem Zug, und wahrscheinlich hab ich auch irgendwas falsch gemacht, haette ich fast die ganze Pagode bis hinauf zum Smaragdbuddha vollgekotzt. Aber da haben sogar die alten Moenche ihren Spass gehabt. Ja, durch eigenes Unvermoegen seelische Blockaden anderer loesen, das kann nicht jeder, aber ich hab das schon seit Jahren heraussen.

Unsere Freunde, die alten Moenche

Unsere Freunde, die alten Moenche

Mit der Faehre ueber den Mekong, den 10.laengsten Fluss der Erde. Fuer Bruecken fehlt das Geld. Sie haben zwar eine Bambusbruecke, aber die muss jedes Jahr nach der Regenzeit wieder neu gebaut werden.

Mit der Faehre ueber den Mekong, den 10.laengsten Fluss der Erde. Fuer Bruecken fehlt das Geld. Sie haben zwar eine Bambusbruecke, aber die muss jedes Jahr nach der Regenzeit wieder neu gebaut werden.

Mit dem Radl auf Erkundungstour durch eine Insel im Mekong, wo die Dorfbewohner ganz abgeschlossen vom Rest der Welt leben, ohne Strom und alles.

Mit dem Radl auf Erkundungstour durch eine Insel im Mekong, wo die Dorfbewohner ganz abgeschlossen vom Rest der Welt leben, ohne Strom und alles.

Geschrieben von danuel

Januar 7, 2009 um 9:10

Veröffentlicht in Kambodscha