Wovon ich rede, wenn ich vom Reisen rede.

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Ich saß am Randstein vorm McDonalds und weinte.

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Liebes Reisetagebuch,

Ich hab einen Traum gehabt. Von einer Welt, in der weisse und scharze Socken zusammengewaschen werden. Nein, das war nur ein Spass. Aber hoer dir das an, meinen Traum, weil in den Traeumen verarbeitest du deine Erlebnisse. Und ohne Traeume wirst du heute sowieso verrueckt. Und Traeume ja immer ein bisschen Traum, und ein bisschen Realitaet.

Ich saß am Randstein vorm McDonalds und weinte. Aber es waren nicht der Burger und die Pommes, die mich ruehrten. Auch nicht der McDonalds. Weil eigentlich wollte ich kein Fast Food. Aber ich wollte was anderes als Reis mit Gemuese oder Huhn. Und da ist mir der alte Stoakogler-Klassiker eingefallen: Schweinskaree – Dreitulie! A SCHWEINSBRATL UND A KNOEDL MIT AN STOECKLKRAUT, UND AN RADI, DAMIT SI DES LEICHTER VERDAUT. A LEBERKNOEDELSUPPN UND A SCHWEINSKARREE, DES IS, AUF WOS I STEH, DREITULIE – wasst as eh! Jetzt gibts beim McDonalds zwar kein Schweinskarree, aber auch ok.

Der Surferstrand von San Juan

Der Surferstrand von San Juan.

Ich sass am Randstein vorm McDonalds und weinte. Und es war aus Freude, dass ich weinte. Weil ich so schoene Erlebnisse hatte. Und da siehst du wieder, wie viele Sachen du am Strand machen kannst. Weil zuerst war ich mit meinem Freund Kelly Slater surfen. Wir haben uns die gleiche Welle geteilt, und unterm Ride sind wir auf des anderen Brett gesprungen und wieder zurueck und haben Saltos gemacht und haben ganz coole Sachen in der Surfersprache gesagt. Und der Kelly war sehr zufrieden mit meinem ersten Surfversuch. Und wie ich mit dem Surfbrett unterm Arm aus dem Wasser geh und seh wie Mitch und Hobie gerade ihren Vater-Sohn-Strandspaziergang machen, schwemmt es mir eine Flasche vor die Fuesse. Mit einer Nachricht drinnen. Drauf steht: Wenn du das liest, bist du mein Traummann. Ich warte auf dich. In Beverly Hills 90210. In Liebe, Sandra Bullock.

So sieht hier ein oeffentliches Verkehrsmittel aus. Alle anders, und viel bunt.

So sieht hier ein oeffentliches Verkehrsmittel aus. Alle anders, und viel bunt.

Und weil die Liebe alles gleich viel schoener macht, hab ich mir gedacht, nutzt du die Zeit, und bin mit dem Bus ins philippinische Hinterland gefahren. Der Bus ist Kehre fuer Kehre die dicht bewachsenen Dschungelhuegel hinaufgeklettert und hat mich ganz oben in einer Stadt abgesetzt, wie ich sie noch nie gesehen hab. Also groesser als Graz und auf mehrere Berge verteilt. Dass du dir denkst, wenn du heute ein Student bist, und einmal was erleben willst, dann machst du hier ein Auslandssemester. Und weil Urlaub ist, hab ich mir gedacht, goennst du dir ein Bier. Und dann haben auf einmal ein paar Filipinos Gitarren und Schlagzeug geschnappt und Bob Marley gespielt.

Und jetzt ist es so, dass angekuendigte Revolutionen nicht stattfinden, aber wie die Filipinos „Red, red wine“ gespielt haben und ich gerade den Hansl von meinem Bier austrinken und schlafen gehen wollte, kommen zwei Jungs zu mir her und, wie soll ich sagen, die waren mir von Anfang an sympathisch. Der Eine war Amir aus Aegypten, der Andere Romeo aus Saudi Arabien. Und dann sind der Amir, der Romeo und ich durch die Nacht gezogen. Und die zwei waren jetzt keine Oelscheichs, aber aus irgendeinem Grund hab ich die ganze Nacht nichts zahlen muessen. Und wir haben die Sonne gekuesst und den Regenbogen geschmeckt und uns feiern lassen wie Rockstars.

Die Maedels haben ganz spontan eine kleine Show fuer uns gemacht.

Die Maedels haben ganz spontan eine kleine Show fuer uns gemacht.

Sehr spaet, es muss die Zeit gewesen sein, wo sich Nacht und Tag die Hand geben, bin ich nach Hause und hab mich kurz ausgeruht. Und dann bin ich noch tiefer in die philippinischen Berge vorgedrungen. Aber ich hab nicht den Bus genommen, sondern bin mit meinen Ohren geflogen. Weil lange Busfahrten koennen sehr anstrengend sein. Und auf dem Weg hab ich Dumbo getroffen, und Jason Webly, das Akkordionmonster. Nach kurzem Smalltalk hab ich mich aber von ihnen getrennt, weil manchmal willst du einfach lieber alleine sein. Kennst du das? Auf jeden Fall sind die Berge immer hoeher geworden, die Leute immer weniger und die Natur immer mehr. Und dann bin ich weiter geflogen, in die Gegend, wo die Leute von beeindruckenden Reisterassen erzaehlen. Und wie ich dort angekommen bin, war alles voller Nebel. Ausserdem hat es die ganze Zeit geregnet, aber nicht Salzburger Schnuerlregen, das kannst du nicht vergleichen. Sondern die ganze Zeit, manchmal mehr manchmal weniger, als ob sich der Reis das Wasser vom Himmel herunterholen wollte. Aber das hat mich gar nicht gestoert, weil ich hab meine Laufschuhe angezogen und bin mit Alice im Wunderland die Reisterassen auf und ab gerannt. Und das alles war so neu und schoen, dass ich es gar nicht glauben konnte.

Und dann saß ich am Randstein vorm McDonalds und weinte. Und dann bin ich aufgewacht. Patschnass. Schweissgebadet vom Traum oder vom Weinen oder vom Surfen oder den feuchten Reisterassen.

Die Studentenstadt Baguio in den philippinischen Bergen. 1500 Meter ueber See, 300.000 Einwohner

Die Studentenstadt Baguio in den philippinischen Bergen. 1500 Meter ueber See, 300.000 Einwohner.

Klein, aber schon ein cooler Hund.

Klein, aber schon ein cooler Hund.

Da laeuft sie, die kleine Alice im Wunderland.

Da laeuft sie, die kleine Alice im Wunderland.

Die Reisterassen von Batad.

Die Reisterassen von Batad. Perspektive 1.

Die Reisterassen von Batad. Perpektive 2.

Die Reisterassen von Batad. Perpektive 2.

Geschrieben von danuel

Januar 26, 2009 um 2:01

Veröffentlicht in Philippinen